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Nepotismus/Vorteilsbeschaffung: ein ethisches Dilemma….

Nepotismus/Vorteilsbeschaffung: ein ethisches Dilemma….

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Ein Beitrag von Trudi Mathis, TEAMINTERIMPLUS, www.teaminterimplus.ch

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Was bedeutet es, wenn ein enger Freund, die Frau oder ein Kind des Chefs im Unter­nehmen mitarbeitet. Wo lauern in der Orga­nisation die Fallen?

Wieso betrifft mich dieses Thema eigent­lich? Als HR bin ich immer wieder mit diesem Thema «Nepotismus» konfrontiert. Ich bin in meiner Funktion keine Richterin, eher eine Vermittlerin und trage Sorge zu Transparenz.  Ich frage mich immer wieder, hat Chancengleichheit auch mit Gleichbe­hand­lung zu tun? Was bedeutet Ungleich­be­­hand­lung, respektive Vorteilsbeschaffung – Nepotismus?

(Auszug aus Wikipedia): «Vetternwirtschaft oder Nepotismus bezeichnet eine über­mässige Vorteilsbeschaffung durch und für Familienangehörige oder andere Verwandte (oder enge Freunde). Beispiele für diese Bevorzugung sind die Gewährung von ungewöhnlich günstigen Vertragskonditionen untereinander oder die Unterlassung notwendiger Prüfungen bei Verwandten zu Lasten einer Institution oder eines Unter­neh­mens, in denen ein Familienmitglied eine leitende Position innehat. Auch Vorteile eingeräumt bei Stel­len­besetzungen, Auftragsvergaben und Ähnlichem ohne Bezug zur fachlichen Eignung.»)

O.k., in Organisationen geht es also auch um Vorteilsbeschaffung ohne fachliche Eignung.

Eine Studie der Kühne Logistics University [1]untersuchte Ungleichbehandlung und Vorteilsbeschaffung. Das Fazit der Studie ist: bisherige Führungstheorien legen nahe, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln. Diese Modelle vernachlässigen jedoch das Prinzip von statusbasierten sozialen Vergleichen, nach denen Gruppenmitglieder die Führungsqualität beurteilen. Die vorliegende Studie belegt, dass es sich positiv auf den jeweiligen Mitarbeiter und das ganze Team auswirkt, wenn der Einzelne vom Vorgesetzten bevor­teilt wird. Ein Mitarbeiter, der gleich gut arbeitet wie seine Kollegen, wird schlechter beurteilt als sein Kollege, welcher eine bessere soziale Bindung zum Vorgesetzten hat. Führungskräfte befinden sich somit in einer ethischen Zwickmühle: behandeln sie aus moralischen Gründen alle Mitarbeiter gleich oder bevorzugen sie Einzelne, indem diese besser behandelt werden?

Ungleichbehandlung ist nicht gleich Vorteilsbeschaffung. Was bedeutet das für meinem HR-Alltag? Wo setze ich hier die ethisch vertretbare Grenze? Wo schaffen wir relevanten Voraussetzungen, damit Mit­arbeitende gleiche Chancen haben? Und bei Regelverstössen frage ich mich: wenn ein anderer Mitarbei­ten­der das gleiche Verhalten gezeigt hätte, was wäre dann geschehen?

Führungskräfte in Unternehmen tun gut daran, sich immer wieder Gedanken zu machen, wie sie sich gegenüber ihren Mitarbeitenden verhalten. Ist ein Freund oder Partner im selben Unternehmen tätig, gilt es für die Ver­antwortlichen sich gut zu überlegen, wie sie zum Beispiel bei Beförderungen oder Neubesetzung, Regelverstössen, Restrukturierungen oder Leistungsdefiziten entscheiden. Es kann zu einem Verlust an Know-How und Kompetenz im Unternehmen führen, wenn aufgrund von Nepotismus unqualifizierte Mitarbeitenden in wichtigen Positionen sitzen.  Wer beurteilt diese Fälle? Wie kann die «Neutralität» aufrecht erhalten wer­den? Wichtig ist, dass nicht der Freund oder Partner in der direkten Führungslinie den Fall abschliessend beurteilt.

Meine Konklusion ist: es gibt keine einfache Lösung/Antwort dazu. Nepotismus oder Vorteilsbeschaffung hat mit Vertrauen der Mitarbeitenden in die Führung, der Wertevorstellung und Wahrnehmung zu tun. Mitarbeitende beobachten sehr genau, was in einer Organisation vor sich geht. Wenn Verstösse bzw. An­gelegenheiten gut und transparent gelöst werden, wächst das Vertrauen innerhalb der Organisation.  Wenn solche Fälle unter den Teppich gekehrt werden, dann leidet das Betriebsklima und die Motivation der Mitarbeitenden sinkt.  Als (HR)-Verantwortliche/r ist es wichtig sich dieser Probleme bewusst zu werden und aktiv gegen Nepotismus und Vorteilsbeschaffung vorzugehen. Dazu können transparente Auswahlverfahren und klare Kriterien bei Stellenbesetzungen und anderen Entscheiden beitragen. Klare Füh­rungs­prinzipien innerhalb der Organisation geben dazu einen Rahmen. Schlussendlich geht es darum, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das auf Fairness und Chancengleichheit basiert.

Bildquelle: Meikel Neid/www.toonpool.com


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