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Die Sehnsucht nach der Work-Life-Integration

Die Sehnsucht nach der Work-Life-Integration

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Ein Beitrag von Anita Bisculm, bisculm integration GmbH, www.bisculmintegration.ch

Meine Eltern hatten ein eigenes Treuhandbüro und arbeiteten beide viel. Aber sie waren auch immer zu Hause. Denn das Büro lag im Erdgeschoss eines Zweifamilienhauses, und oben war unsere Familienwohnung. Als Kind fand ich das nicht immer toll, denn gerne wäre ich auch mal «Schlüsselkind» gewesen und stolz mit einem Wohnungsschlüssel um den Hals zur Schule gegangen. Aber eben, das brauchte es bei uns nicht, denn es war ja immer jemand da. Wurde eins von uns vier Kindern krank, war das kein organisatorischer Salto Mortale, denn meine Mutter konnte jederzeit hoch kommen und nach uns schauen. Wir wussten sehr wohl, dass wir kein Geschrei aufführen durften, wenn Kundschaft zugegen war, dass die Eltern hingegen immer ein Ohr hatten, wenn etwas gebraucht wurde oder sich eines der Kinder in den Finger geschnitten hatte.

Integration der verschiedenen Rollen im Leben als Ziel
Was hat diese kindliche Idylle mit der heutigen Arbeitswelt zu tun? Mit dem Ausdruck der Work-Life-Balance konnte ich nie viel anfangen. Als ich mich vor ein paar Jahren mit dem Thema beschäftigte, erinnerte ich mich an unseren Familienalltag zurück und mir fiel der Begriff «Work-Life-Integration» ein. Ich googelte und erhielt genau einen Treffer dazu: Einen Beitrag (samt Selbsttest), der erklärte, dass es verschiedene Menschentypen gibt. Eine Mehrheit, welche eine solche Integration sucht und andere, denen es wichtig ist, Beruf und Privates strikt getrennt zu halten. Vielleicht liegt genau darin der Grund, weshalb viele Menschen nach der ersten Corona-Welle gar nicht mehr zurückkehren wollten in ihre Büros. Mit der Arbeit im Home Office fand auf einmal alles viel kleinräumiger statt, und wir brachten unsere verschiedenen Rollen im Leben besser unter einen Hut. Die allermeisten Menschen arbeiten nicht weniger im Home Office, im Gegenteil. Aber im eigenen Rhythmus: Sport über Mittag ist plötzlich eine realistische Option, beim (gemeinsamen) Essen die Nachrichten hören, oder rasch was einkaufen, um den Kopf zu lüften nach einem langen online Meeting – all das fühlt sich wesentlich integrierter an als die langen Arbeitstage auswärts.

Innere und äussere Freiheit schaffen
Ich weiss natürlich, dass insbesondere der Mix zwischen Home Office und Homeschooling für arbeitende Eltern alles andere als lustig und entspannend war. Und auch, dass Home Office für viele Berufsgruppen gar keine Option ist. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir uns für die Arbeitswelt «4.1» Gedanken machen müssen, wie wir etwas von dieser Qualität in die Organisationen zurückbringen. Denn auch wenn die Firmen uns – ausser vielleicht am Zukunftstag – per se nur als Mitarbeitende wahrnehmen, ist es für unsere psychische Gesundheit entscheidend, die verschiedenen Rollen im Leben nebeneinander leben bzw. integrieren zu können – und zwar ohne konstant schlechtes Gewissen! Das braucht zum einen geeignete Strukturen und Werthaltungen im aussen. Das heisst Organisationskulturen, die ihren Mitarbeitenden möglichst viele Freiheitsgrade und Eigenverantwortung bieten und auf Vertrauen, Augenhöhe sowie Gegenseitigkeit beruhen.  Teppichetagen und Vorgesetzte mit autoritären, cholerischen oder abwertenden Wesenszügen gehören hier definitiv nicht mehr dazu. Gefragt sind Flexibilität, Abwechslung, kreative Zeit- und Salärmodelle, Auszeiten, organisationsübergreifende Seitenwechsel etc.. Oder wonach sehnen Sie sich? Zum anderen erfordert es aber auch die innere Sicherheit jedes einzelnen, um hinderliche Glaubenssätze (Sei perfekt! Mach es allen recht!) zu überwinden. New work needs inner work: eine ok-Haltung sich selbst und anderen gegenüber, realistische (Selbst-) Ansprüche sowie die Fähigkeit, laufend neu zu priorisieren und auch nein sagen zu können, sind essenzielle Voraussetzungen für die neue (Arbeits-)Welt.

Work-Life-Integration zeitlos
Da kommt mir meine Grossmutter in den Sinn, die ihr ganzes Leben lang in «Heimarbeit» für die Armee Militärkleider flickte. Was etwas altmodisch klingt, heisst nichts anderes, als dass sie sich damit ihren massgeschneiderten Job fernab im kleinen Bergdorf schuf. Es lebe die Work-Life-Integration!

 

Anita Bisculm ist Expertin für Selbstführung, Leadership und HR Management und begleitet Einzelpersonen sowie Firmen als Coach und Beraterin.

 

Bildquelle: pixabay


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Mirjam Grayson
mirjam.grayson@hrmatters.ch